
Flächenverbrauch: Statistisches Bundesamt liefert irreführende "Zahl der Woche".
DIP-Partner Aengevelt Immobilien weist darauf hin, dass die jüngst vom Statistischen Bundesamt als “Zahl der Woche“ veröffentlichte Angabe zum täglichen Wachstum der Siedlungs- und Verkehrsfläche irreführend ist und zu falschen politischen Schlussfolgerungen verleitet. Siedlungs- und Verkehrsfläche umfasst bekanntlich auch Grünanlagen und ökologisch wertvolle Flächen, die für urbane Klimaresilienz benötigt werden. Allein schon vor diesem Hintergrund ist das in der Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts ausgegebene Ziel, den Netto-Flächenverbrauch bis 2050 stufenweise auf Null zu reduzieren, kontraproduktiv, und darüber hinaus bremst es die schon seit Jahren überfällige nachhaltige Belebung des Wohnungsneubaus. In diesem Zusammenhang weist Aengevelt darauf hin, dass lediglich 1,6 % der Bodenfläche der Bundesrepublik Deutschland mit Wohngebäuden überbaut ist. Selbst eine nicht ohne Weiteres realisierbare Verdoppelung der Baufertigstellungen würde sich auf diese geringe Quote kaum auswirken.
Das Statistische Bundesamt hat als „Zahl der Woche“ für die dritte Woche des Jahres 2026 ausgewählt, dass die Siedlungs- und Verkehrsfläche in der Bundesrepublik “jeden Tag um 50 Hektar“, also beachtliche 500.000 m², wächst. Die diesbezügliche Pressemeldung erwähnt zugleich, dass die 50 Hektor mehr sind als die Fläche der Vatikanstadt und dass der tägliche Flächenverbrauch in früheren Jahren schon einmal niedriger ausgefallen war.
Noch entscheidender ist indessen die Mitteilung, dass die Bundesregierung in der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie anstrebt, den täglichen Anstieg im Vierjahres-Durchschnitt bis zum Jahr 2030 auf unter 30 Hektar zu begrenzen und bis 2050 eine Flächenkreislaufwirtschaft zu erreichen, d.h. dass netto überhaupt keine weiteren Flächen für Siedlungs- und Verkehrszwecke mehr beansprucht werden.
Siedlungs- und Verkehrsfläche - Grünanlagen und ökologisch wertvolle Flächen zählen dazu.
Damit wird der Eindruck erweckt, dass die Ausweisung von Siedlungs- und Verkehrsfläche ein Umweltproblem sei. Tatsächlich räumt das Statistische Bundesamt im weiteren Verlauf der Pressemeldung ein, dass es sich bei der Siedlungs- und Verkehrsfläche um eine statistische Summenkategorie handelt, die auch unversiegelte Flächen einschließt, beispielsweise Hausgärten, Vorgärten, Parkanlagen, Spielplätze, Friedhöfe und Campingplätze. Allein 14 der 50 Hektar des täglichen Flächenzuwachses werden für Sport-, Freizeit- und Erholungs- sowie Friedhofsflächen verwendet. Das Immobilienhaus Aengevelt weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass insbesondere Gartenflächen, Parkanlagen und Friedhöfe neben ihrer infrastrukturellen Funktion dazu beitragen, Städte klimaresilient zu machen, urbane Hitzeinseln zu reduzieren oder zu vermeiden und Regenrückhalte- und Versickerungsflächen für Starkregenereignisse zu schaffen.
Angaben zu Flächenversiegelung sind irreführend.
Aber auch die Flächen für Wohnbau, Industrie- und Gewerbeflächen sowie öffentliche Einrichtungen sind keineswegs vollständig versiegelte Flächen. So beträgt der Orientierungswert für die Grundflächenzahl in allgemeinen Wohngebieten laut Baunutzungsverordnung 0,4, d.h. es werden nur bis zu 40 % der Gesamtfläche überbaut. Und selbst das ist laut Aengevelt nicht mit einer Versiegelung von 40 % gleichzusetzen, wenn Dachbegrünung oder Regenwasserversickerung stattfindet. So werden nach Beobachtung von Aengevelt heute bereits Wohngebiete mit einem Versiegelungsgrad von Null gebaut, etwa wenn das Niederschlagswasser in Zisternen oder Rückhaltebecken aufgefangen wird.

Wohnungsneubau fällt bei Flächenversiegelung kaum ins Gewicht.
Aengevelt verweist darauf, dass lediglich 1,6 % der Fläche der Bundesrepublik Deutschland mit Wohngebäuden überbaut sind. Die gesamte Bodenfläche beträgt 357.683 km2. Der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche beläuft sich auf 50.988 km2, das entspricht 14,2 %. Die Wohnbaufläche umfasst 14.324 km2 bzw. 4,0 % der Gesamtfläche. Bei einer mittleren Grundflächenzahl von 0,4 sind demnach 5.730 km2 mit Wohngebäuden überbaut, was 1,6 % der Gesamtfläche entspricht. Wenn man berücksichtigt, dass inzwischen ein großer Teil des Wohnungsbaus auf ehemaligen Siedlungs-, Verkehrs- oder Gewerbeflächen erfolgt, würde es bei den gegenwärtigen Neubauleistungen 20 Jahre dauern, diesen geringen Anteil auf 1,7 % zu steigern. Selbst eine Verdoppelung der Baufertigstellungen würde im Ergebnis also kaum messbar sein.
Fazit.
Dr. Wulff Aengvelt, geschäftsführender Gesellschafter von Aengevelt Immobilien: „Wenn das Statistische Bundesamt eine Zahl der Woche veröffentlicht, steht zu befürchten, dass diese Zahl von Politikern recht unkritisch übernommen wird, um die Ausweisung von neuen Baugebieten zu verhindern oder immer weiter in die Länge zu ziehen und zu verkleinern Tatsächlich ist aber die Kategorie Siedlungs- und Verkehrsfläche irreführend, weil sie nichts über die Versiegelung aussagt und sogar ökologisch wertvolle Grünflächen umfasst. Deshalb ist auch das politische Ziel einer Flächenkreislaufwirtschaft ökologisch unsinnig. Für die Klimaresilienz unserer Städte benötigen wir schnörkellos sogar deutlich mehr Siedlungs- und Verkehrsfläche als bisher.“

Thomas Glodek
Leiter Öffentlichkeitsarbeit
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