|
|
|
Berlin, 20. Juni 2002
AENGEVELT-RESEARCH: Halbjahresbilanz 2002
Eigennutzer bestimmen im ersten Halbjahr 2002 entscheidend
das Berliner Büromarktgeschehen
Mit einem Büroflächenumsatz (inkl. Eigennutzer) von rd. 195.000
m² übertraf der Berliner Büromarkt in den ersten sechs Monaten dieses
Jahres das Ergebnis des Vergleichszeitraumes in 2001 (ca. 150.000 m²)
deutlich um rd. 30%. Dieser Zuwachs ist allerdings ausschließlich auf
Flächenabsorptionen durch Eigennutzer zurückzuführen, zu denen u.a.
die Dienstleistungsgesellschaft ver.di, die Deutsche Bahn und der Verband
der Rentenversicherer beitrugen. Insgesamt registrierte AENGEVELT-RESEARCH
in den ersten sechs Monaten dieses Jahres fünf Standortentscheidungen
durch Eigennutzer, die zusammen einen Büroflächenumsatz von 85.000
m² ergeben - ein überdurchschnittlich hoher Wert angesichts der
Tatsache, dass die Flächenabnahme durch Eigennutzer im ersten Halbjahr
2001 bei lediglich rd. 4.000 m² Bürofläche lag und auch im Gesamtjahr
nur 43.000 m² erreichte. Gleichzeitig ist allerdings die Vermietungsleistung
mit rd. 110.000 m² um nahezu ein Viertel gegenüber dem Vergleichszeitraum
in 2001 (ca. 146.000 m²) zurückgegangen. Ausschlaggebend hierfür war
u.a. die schwache Konjunktur und eine daraus resultierende Expansions-
und Nachfragezurückhaltung ansässiger Firmen sowie eine nach wie vor
nur geringe Zahl an Unternehmensneuansiedlungen.
Indessen verzeichnete der Berliner Büromarkt im Gegensatz zu anderen
Bürometropolen in den letzten Jahren, insbesondere 1999 und 2000, keinen
"Umsatzboom", so dass hier kurz- bis mittelfristig keine größeren Umsatzeinbrüche
wie an anderen Bürostandorten, z.B. München, zu befürchten sind.
Vielmehr ist angesichts einer von AENGEVELT derzeit registrierten
hohen Zahl großflächiger Mietgesuche davon auszugehen, dass die
Vermietungsleistung im zweiten Halbjahr 2002 deutlich anzieht
und bis Ende 2002 ein Gesamtvolumen von rd. 350.000 m² erreicht
(Vermietungsleistung 2001: ca. 392.000 m²). Entsprechend prognostiziert
AENGEVELT-RESEARCH für 2002 einen Büroflächenumsatz inklusive
Eigennutzer von insgesamt rd. 450.000 m², der damit über
dem Vorjahresergebnis von rd. 435.000 m² liegen würde.
Büroflächenumsatz nach Branchen und Lagen
Der Büroflächenumsatz konzentrierte sich im ersten Halbjahr 2002 in
starkem Maße auf die Cityrand- und Innnenstadtbereiche Berlins.
Auf sie entfiel eine Umsatzleistung von mehr als 125.000 m² bzw.
über 64% des Gesamtumsatzes (1. HJ 2001: rd. 67.500 m²
bzw. 45%). Schwerpunkt waren dabei City-randlagen in Mitte, wo sich
u.a. die Großabschlüsse der Deutschen Bahn, von ver.di und SAP einordnen.
Auch die äußeren Stadträume Berlins konnten ihre Quote mit über
23.000 m² gegenüber dem ersten Halbjahr 2001 (ca. 12.000 m² bzw.
8%) auf rd. 12% des Büroflächenumsatzes erhöhen. Dagegen blieb
der Umsatzanteil der City in der historischen Mitte Berlins mit
rd. 33.000 m² bzw. 17% deutlich unter dem Vergleichswert
des Vorjahres (1. HJ 2001: rd. 46.500 m² bzw. 31%), genauso wie die
City-West mit einer Marktquote von gut 6% bzw. rd. 12.000
m² (24.000 m² bzw. 16%).
Die Branchenstruktur der Umsätze hat sich im Vorjahresvergleich merklich
gewandelt. Dominierte die new economy (IT, Medien, Werbung) im
Vorjahreszeitraum mit rd. 38% aller Büroflächenumsätze noch das Marktgeschehen,
spielte diese Nachfragegruppe im ersten Halbjahr 2002 mit rd. 16%
der neu vertraglich gebundenen Flächen bislang eine wesentlich geringere
Rolle. Im ersten Halbjahr 2002 stellte dagegen der öffentliche Sektor
einschließlich Interessenvertretungen, Verbände etc. mit einem Umsatzanteil
von 36% die Hauptnachfragegruppe (1. HJ 2001: 25%). Ein mit ca. 32%
sehr hoher Marktanteil wurde außerdem bei sonstigen Nachfragern
nach Büroflächen erfasst. Dazu gehören u.a. Standortentscheidungen zur
Verlagerung von Verwaltungssitzen von Unternehmen der Verkehrs- und
Baubranche als auch die Umnutzung von Büroflächen für das Beherbergungsgewerbe.
Die Nachfrage aus dem Bereich der unternehmensbezogenen und sonstigen
Dienstleister blieb in den ersten sechs Monaten dieses Jahres mit
knapp 13% aller Flächenumsätze bislang sehr zurückhaltend (1.
HJ 2001: 27,5%). Auch bei den Finanzdienstleistern war keine
Nachfragebelebung zu verzeichnen: Durch diese Branche wurden im ersten
Halbjahr 2002 nur gut 4% aller erfassten Flächenumsätze (1. HJ
2001: 6%) realisiert.
Angebotsreserve und Fertigstellungsvolumen
Der bis Ende 2001 in Berlin zu verzeichnende kontinuierliche Abbau der
kurzfristig verfügbaren Angebotsreserve setzte sich im ersten Halbjahr
2002 bislang nicht fort: Aktuell stehen rund 1,3 Mio. m² Bürofläche
dem Markt kurzfristig für Anmietungen zur Verfügung. Die Leerstandsquote
liegt mit ca. 7,4% zwar unter dem Vergleichswert zur Jahresmitte
2001 (7,8%), aber leicht über dem Niveau zum Jahresende 2001 (7,2%),
als sich der kurzfristig verfügbare Angebotssockel auf rd. 1,25 Mio.
m² Bürofläche belief. Ein Grund für die leichte Erhöhung der Angebotsreserve
im ersten Halbjahr 2002 war u.a., dass in diesem Zeitraum ein überdurchschnittlich
hoher Anteil der Flächenumsätze auf Projekte entfiel, die erst in den
kommenden Jahren fertiggestellt werden und somit erheblich weniger bereits
am Markt verfügbare Bürofläche abgenommen wurde. Mit der Umsetzung bereits
in den Vorjahren beschlossener Umzugsentscheidungen wurden gleichzeitig
Flächen freigesetzt, die zusätzlich zu einer leichten Vergrößerung des
dem Markt zur Verfügung stehenden Flächenangebots führten.
Außerdem werden nach dem gegenwärtigen Stand der Bauvorhaben im Jahr
2002 voraussichtlich rd. 310.000 m² Bürofläche in Berlin
fertiggestellt. Das Bauvolumen im Jahr 2003 ist ähnlich
hoch. So werden nach Analysen von AENGEVLT-RESEARCH bis Ende 2003 bis
zu 350.000 m² neu erstellter oder komplett modernisierter Bürofläche
dem Markt zusätzlich zur Verfügung gestellt. Aufgrund der immer noch
erheblichen Neubautätigkeit und angesichts der aktuellen Nachfragestruktur
ist auch bis Ende 2002 keine spürbare Reduzierung des kurzfristig verfügbaren
Flächenangebots zu erwarten.
Mietpreisniveau
Aufgrund der in diesem Jahr bislang sehr zurückhaltenden Nachfrage nach
Büroflächen in den Berliner Citylagen war in den besten Lagen ein merklicher
Rückgang des Mietniveaus zu verzeichnen. Entsprechend liegt die gewichtete
Spitzemiete mit derzeit rd. EUR 27,-/m² ca. 12% unter dem
Vergleichswert Mitte des vergangenen Jahres (EUR 30,70/m²). Im Vergleich
zum Spitzenmietniveau Ende 2001 (EUR 28,10/m²) hat sich das Tempo der
Mietpreiskonsolidierung allerdings merklich abgeschwächt. Das mittlere
Mietniveau für Büroflächen in Citylage gab binnen Jahresfrist von
EUR 23,-/m² Mitte 2001 um etwa 15% auf aktuell rd. EUR 19,50/m² überdurchschnittlich
stark nach. Dagegen blieb das mittlere Mietpreisniveau in den Cityrandlagen
Berlins vergleichsweise stabil. Hier ermittelte AENGEVELT-RESEARCH aktuell
eine mittlere Büromiete von rd. EUR 13,50/m², die nur ca. 4%
unter dem Vorjahreswert (ca. EUR 14,-/m²) liegt.
|