Die Entwicklung des Einzelhandels in der Messestadt Leipzig, Kernstadt der mitteldeutschen Metropolregion und gemessen an Einwohnerzahlen der nach Berlin zweitgrößten Stadt der Neuen Bundesländer, vollzieht sich fortwährend positiv. Flankiert von wachsender Attraktivität und Zentralität steigen auch Einwohnerzahl und Wirtschaftskraft der Stadt kontinuierlich. Das nach Berlin bedeutendste Einzelhandelszentrum der Neuen Bundesländer weist weiterhin hohe Markt- und Umsatzpotentiale auf.
Hierbei fällt der herausragenden Leipziger Innenstadt mit einem Ensemble aus aufwendig sanierten historischen Altbauten, Messepalästen, interessanten Passagen und anspruchsvollen Neubauten eine entscheidende Rolle zu.
• Im City-Kern konzentrieren sich mittlerweile über ein Fünftel der einzelhandelsrelevanten Verkaufsfläche der gesamten Stadt.
• Durch das diversifizierte, hochwertige Angebot kann dieser historisch gewachsene Bereich zusätzliche Kaufkraft von außerhalb anziehen und seine Bedeutung gegenüber peripheren Einzelhandelsstandorten ausbauen.
• Diese Entwicklung manifestiert sich in den Passantenzählungen des Berichtsjahres. So rangierte z.B. die Grimmaische Straße mit Platz 8 bei bundesweiten Frequenzzählungen noch vor der Berliner Tauentzienstraße und der Prager Straße in Dresden.
• Aktuell weist die Messestadt einen Zentralitätswert (Relation Kaufkraft-Abfluss ins Umland zu Kaufkraft-Zufluss in die Stadt) von 110 auf. Die damit immer noch moderate Zentralitätsrate hat sich gegenüber Ende der 90er Jahre immerhin um über 10 Indexpunkte erhöht und reflektiert, dass zunehmend mehr Kaufkraft nach Leipzig fließt.
• Der Vergleich mit anderen Städten zeigt indessen, dass ungeachtet der erfreulichen Marktentwicklung in Leipzig auch weiterhin noch Nachholpotentiale bestehen. So fließt zum Beispiel nach Dresden (111), Chemnitz (128) und Magdeburg (128) deutlich mehr Kaufkraft aus der Umlandregion stadteinwärts als in Leipzig.
• Aktuell weist Leipzig ein gegenüber dem Vorjahr stabiles einzelhandelsrelevantes Kaufkraftpotential von rd. EUR 2,51 Mrd. auf. Umgerechnet entspricht das Marktvolumen einer Umsatzquote von rd. 5.000 EUR pro Einwohner (z. Vgl. Dresden: EUR 5.300/EW; Deutschland: EUR 5.071 m²).
• Zukünftig ist gerade auch im Hinblick auf die weitere zeitnahe bedeutende Stärkung der innerstädtischen Einzelhandelslandschaft Leipzigs (City Tunnel etc.), mit einem weiteren Anstieg der Zentralität zu rechnen.
Mietpreise
• In Leipzig werden nach Berlin weiterhin die höchsten Spitzenmieten der Neuen Bundesländer erzielt. Die Mieten für Einzelhandelsflächen in hochfrequentierten Lagen bewegen sich aktuell zwischen EUR 115,– und 120,–/m². Nach einem stetigen Anstieg seit Mitte der 1990er Jahre konnten sich die Spitzenmieten seit 2000 zwischen EUR 100,– und EUR 110,–/m² einpendeln und stiegen ungeachtet der Finanzkrise im Berichtsjahr 2008 leicht an.
• Rund um die Nikolaistraße und Hainstraße werden aktuell Mietpreise von ca. EUR 35,– bis 40,–/m² kontrahiert. Damit ist das Mietpreisniveau in diesen Lagen zum Vorjahr stabil geblieben. Die Nikolaistraße ist mittlerweile gut etabliert. So schloss hier der Taschenfilialist Xbags ab April 2009 einen Mietvertrag
über rd. 420 m² im neuen Geschäftshaus der TLG ab. Des Weiteren eröffnet hier im Mai des Jahres ein Motel-One-Hotel.
• Neben den genannten Hauptgeschäftsstraßen verfügt Leipzig über weitere marktrelevante Einzelhandelsagglomerationen in verschiedenen Stadtteillagen.
Hierzu zählen insbesondere die großflächigen Shoppingcenter „Promenaden Hauptbahnhof“, „Allee-Center“ (Grünau), „Löwen Center“ (Burghausen), „Paunsdorf Center“ sowie die Stadtteilzentren „Lindenauer Markt“, „Eutritzscher Markt“, „Gohlis-Arkaden“, „Leutzsch Arkaden“, „Elster-Passage“ und „Mockau-Center“. Derzeit entsteht ein neues Stadtteilzentrum auf dem Rübesam-Areal in Plagwitz. Hier errichtet die CG Management Holding GmbH auf einem Gelände von 150 ha Flächen für Einzelhandel, Büro, Lager und Produktion. Das Mietniveau in den Leipziger Einkaufs- und Stadtteilzentren stellt sich aktuell auf Werte von EUR 10,– bis 12,–/m².
• Als ebenfalls einzelhandelsrelevanter Standort steht das Paunsdorf-Center am östlichen Stadtrand vor umfangreichen Umbaumaßnahmen. Nach dem feststehenden Auszug eines Hauptmieters plant der Eigentümer, die mfi aus Essen, bis zu EUR 150 Mio. in die Generalüberholung des seit 1994 existierenden Centers zu investieren.
• Für Einzelhandelsflächen im Bereich hoch frequentierter Ausfallstraßen (u.a. Karl-Liebknecht-Straße) konnte das Vorjahrespreisniveau von EUR 7,– bis 15,–/m²nicht gehalten werden. Aktuell sind in diesen Lagen EUR 6,– bis 10,–/m² realisierbar.
Trends 2009
• AENGEVELT-RESEARCH prognostiziert für den weiteren Verlauf des Jahres 2009 in den Topeinkaufstraßen der Leipziger City – Petersstraße, Grimmaische Straße sowie für den angrenzenden Südbereich des Leipziger Marktplatzes – ein stabiles Spitzenmietniveau. Im Hinblick auf die zur Realisierung anstehenden Infrastrukturprojekte und die sich damit noch steigernde Passantenfrequenz ist hier mittelfristig mit einem moderat ansteigenden Mietpreisniveau zu rechnen.
• Auch in Zukunft werden weitere Projekte im Stadtgebiet zur Verbesserung der Einzelhandelsstruktur realisiert, um eine starke Konkurrenz zu den nach der Wende im Umland errichteten Einzelhandelszentren zu schaffen und den außerhalb des Stadtgebiets operierenden Einkaufs- und Möbelzentren verstärkt Kaufkraftpotential abzuziehen. Beispielhaft hierfür ist die geplante Realisierung der Großmarkthalle auf der innenstadtnahen Brache am Wilhelm-Leuschner-Platz bis 2012.
• Mit der Fertigstellung der S-Bahn-Anbindung an die City wird die Zentralität Leipzigs mittelfristig noch weiter zunehmen, da weiteren Käuferströmen des Umlandes die Gelegenheit eines Besuches in einer der deutschen Top-Einkaufsstädte geboten wird. Von herausragender Bedeutung hierbei ist der Bau des City-Tunnels zwischen Wilhelm-Leuschner-Platz und Hauptbahnhof, dessen Fertigstellung für 2011/12 vorgesehen ist. Für den City-Standort Leipzig bringt das zwei entscheidende Vorteile: die wachsende Zentralität beeinflusst die Miethöhe entscheidend und auch das seit Jahren deutlich wachsende Kaufkraftvolumen bleibt im Trend bestehen.