Düsseldorfer, 5.9.2007

Dirk Schäfer
1. Der Büroflächenumsatz war im 1. Hj. 2007 sehr positiv. Worauf ist das zurückzuführen? Ist Düsseldorf aus der Talsohle heraus?
Dirk Schäfer:
Ausschlaggebend für den Aufschwung am Büromarkt ist u.a. die anhaltend gute konjunkturelle Entwicklung mit wachsenden Bürobeschäftigungseffekten, die auf den Absatzmärkten entsprechend belebende Wirkung zeigt. Die Region Düsseldorf gehört dabei zu den Standorten, die von der Dynamik der lebhaften Büroflächennachfrage überproportional profitieren. Entsprechend prognostizieren wir bis zum Jahresende einen Büroflächenumsatz in der Region um 340.000 m². Damit schließt Düsseldorf wieder an die Spitzenergebnisse der Jahre 2000 und 2001 mit Rekordwerten von 359.000 m² bzw. 407.000 m² an. Noch entscheidender ist dabei der Anstieg des Büroflächenmehrverbrauchs, der so genannten positiven Nettoabsorption, auf rd. 155.000 m² in diesem Jahr. Dies führt zu einem beschleunigten Abbau des markttüchtigen Flächenangebots. Vor diesem Hintergrund kann man zu Recht sagen, dass Düsseldorf die Talsohle durchschritten hat und sich deutlich im Aufwärtstrend befindet.
Gemessen an der Entwicklung der Spitzenmiete, die sich seit Ende der 90er Jahre zwischen 20 und 23 Euro bewegt und damit eine nur sehr geringe Schwankungsbandbreite aufweist, besaß das Düsseldorfer „Tal“ eh nicht die Tiefen anderer Büromärkte. Dies ist nicht zuletzt auf die ausgewogene Branchenstruktur in der Region zurückzuführen. Zudem ist das im Vergleich zu anderen Städten günstigere Mietniveau auch ein klarer Standortvorteil: So viel effizienter lässt es sich als Anwalt oder Berater nicht in Frankfurt arbeiten, dass dadurch eine um 40 oder 50 Prozent höhere Miete gerechtfertigt wäre.
2. Düsseldorf beklagt einen hohen Büroflächenleerstand, doch ist Leerstand differenziert zu betrachten (siehe dazu Halbjahresbericht 2007). Ist ggf. in begehrten Lagen sogar ein Mangel an hochwertigen Büroflächen zu beklagen?
Dirk Schäfer:
Engpässe finden sich dort, wo es kein beliebig vermehrbares Grundstückspotential für Neubauvorhaben bei gleichzeitig konstant reger Nachfrage gibt. Dazu zählen insbesondere die City-Lagen und hier das Bankenviertel: Fertiggestellte bzw. sich in der Realisierung befindliche Neubauprojekte im Bankenviertel wie das „Broadway Office“, das „Karlstadt-Carree“ (18 Monate vor Fertigstellung vollvermietet), das „3 hoch 5“ sind z.B. von Rechtsanwaltskanzleien und Wirtschaftsprüfern stark nachgefragt Die Folge sind Flächenverknappungen: Wer aktuell im Bankenviertel 5.000 m² zusammenhängende Bürofläche oder mehr sucht, wird nicht fündig.
Stark nachgefragt ist auch das „Hofgarten-Palais“ vis a vis zu Schauspielhaus und Hofgarten dank seiner Lagegunst. Interessenten sind Unternehmen, die in der City, nicht aber zwangsläufig direkt im Bankenviertel sitzen wollen.
3. Was sind für (ausländische) Investoren die Standortfaktoren, die Düsseldorf bietet?
Dirk Schäfer:
Nach renditehungrigen Opportunity Funds, die vor allem „billige“ Objekte und damit kaum in Düsseldorf kauften, treten am deutschen Immobilienmarkt mittlerweile internationale Investoren mit längerfristigeren Bestandshalterabsichten auf. Mit dieser Qualitätsverlagerung des Anlageinteresses auf höherwertige und wertdynamische Investments steht Düsseldorf mit exzellenten Rahmenbedingungen wie ausgewogener Branchenmix, marktführende, international tätige Nutzer, eine investorenfreundliche Stadtverwaltung, Top-Infrastruktur etc . – zwangsläufig – weiterhin im Fokus.
Entsprechend ist für das Gesamtjahr 2007 ein neues Rekordergebnis am Düsseldorfer Investmentmarkt möglich. Der bislang höchste Wert von mehr als drei Milliarden Euro in 2006 ist zu überbieten.
4. Welche Klientel zeigt derzeit in Düsseldorf die größte Nachfrage nach Büroflächen?
Dirk Schäfer:
Hierzu zählen zur Zeit insbesondere die öffentliche Hand, z.B. das Innenministerium und BLB, die Gruppe der unternehmensbegleitenden Dienstleister wie z.B. Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte, die Werbe- sowie die IT-/EDV-Branche. Genau diese breitgefächerte Nachfragestruktur macht die Robustheit des Düsseldorfer Büromarktes aus.
5. Wo hält Düsseldorf innerstädtische Gewerbe-/Büroflächen noch vor, die in den kommenden Dekaden entwickelt werden können (Industrieareale, Bahnflächen, Hafen etc.)?
Dirk Schäfer:
Eines vorweg: Dass wir nicht eine zentrale Bürolage haben, sondern mehrere „1a-Lagen“ für unterschiedliche Zielgruppen, wurde früher als Handicap gesehen, ist aber tatsächlich ein Vorteil. Denn dadurch können wir jedem das Passende anbieten.
Große Flächenpotentiale finden sich insbesondere im infrastrukturell optimal angebundenen Düsseldorfer Norden, der entsprechend mit Großansiedlungen wie C&A, E-Plus, Capgemini (alle Quartier(n)), VDI (Airport City) etc. für Aufsehen sorgt: Standorte wie z.B. Quartier(n), Airport City, Theodorstraße sowie Areale in Mörsenbroich, Lichtenbroich und im Golzheimer Norden verfügen zusammen allein über ein Potential von rd. einer Million m² BGF für Büro- und Gewerbenutzungen. Hinzu kommen Flächen am Derendorfer Güterbahnhof, auf dem ehemaligen Rheinmetallgelände entlang der Johannstraße, wo z.B. die apellasbauwert Property Group die Errichtung der „Unternehmerstadt“ mit rd. 158.0000 m² BGF, davon rd. 142.000 m² für gewerbliche Nutzungen plant, und das ehemalige Polizei-Kasernengelände im Bereich Tannenstraße, für das die Werbeagentur GREY als erster Großnutzer feststeht.
6. Was sind die größten jüngst abgeschlossenen Bauprojekte in Düsseldorf und welche laufen derzeit, die prägend für die Stadt sein werden?
Dirk Schäfer:
Die aktuell größten Bauprojekte finden sich im Düsseldorfer Norden. Dabei handelt es sich zum einen um das Maritim-Hotel am Düsseldorfer Flughafen, das in diesen Wochen fertig gestellt wird, sowie die neue C&A-Europazentrale, die im Frühjahr 2007 von C&A bezogen wurde. In der City schaut man natürlich vor allem auf den Breidenbacher Hof. Weitere Projekte im Bankenviertel sind das „3 hoch 5“ (ca. 5.000 m²; Fertigstellung Herbst 2007) in der Breiten Straße und das „Karlstadt-Carree“ (ca. 8.200 m²; Fertigstellung 2008). Ein ebenfalls spektakuläres City-Projekt ist das „Hofgarten-Palais“ vis a vis zu Schauspielhaus und Hofgarten, wo der Londoner Investor Europa Capital auf dem Grundstück der ehemaligen Zapp-Hauptverwaltung bis zum Jahreswechsel 2008/2009 rd. 14.650 m² BGF Büro- und rd. 2.500 m² BGF hochwertiger Wohnfläche mit einem Gesamtwert von rd. 65 Mio. Euro errichtet.
Dank seiner direkten Sichtlage an der BAB 44 und dem Flughafen wird die neue Unternehmenszentrale der E-Plus Gruppe (Bezug Anfang 2009) auf dem Quartier(n) mit rd. 34.000 m² BGF und einem Investitionsvolumen von rd. 86 Mio. Euro zukünftig markant den Düsseldorfer Norden prägen.
In der City gilt dies natürlich insbesondere für den „Kö-Bogen“, der an diesem einzigartigen Standort zwischen Königsallee und Hofgarten, Oper am Rhein und Tucht-Insel das „Gesicht“ Düsseldorf prägen wird. Indessen sind hier die Planungen noch nicht abgeschlossen, so dass sich zu Nutzung und BGF noch keine konkreten Angaben machen lassen.
Für das „Sky Office“ am Kennedydamm ist der Baustart dagegen bereits erfolgt. Hier entstehen bis voraussichtlich rd. 30.000 m² Bürofläche auf 21 Geschossen. Ankermieter ist McKinsey mit rd. 10.000 m²
Ein weiteres, viel diskutiertes Groß-Projekt – indessen mit vorwiegender Einzelhandelsnutzung - sind die „Düsseldorf Arcaden“ des Projektentwicklers mfi-Management im Stadtteil Bilk mit rd. 20.000 m² Verkaufsfläche, die voraussichtlich Ende 2008 fertig gestellt werden.
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